Alte Bürsti: Verein will Alternative zu Totalumbau
Aargauer Zeitung / MLZ 11. März 2010
Interessengemeinschaft Alte Bürsti ergreift Mittel zugunsten einer sanften Sanierung der Oberentfelder Industriebrache
Die Mieter der alten Bürstenfabrik in Oberentfelden verlangen, die Stimmbürger müssten beim Verkauf des gemeindeeigenen Areals eine Alternative zur gewinnorientierten Überbauung haben. Jetzt werden sie gleich mehrfach aktiv.
Gestern Abend haben in Oberentfelden rund 20 Mieter der ehemaligen Bürstenfabrik Walther einen Verein gegründet. Er geht aus der Interessengemeinschaft (IG) Alte Bürsti hervor und hat denselben Zweck: den «Erhalt der Altbauten als Kultur- und Handwerkerzentrum», wie in einem «Positionspapier» steht.
Die Behörden wollen die zwischengenutzte Industriebrache, die der Gemeinde gehört, verkaufen. Der mit der Arealentwicklung und Investorensuche beauftragten Immobilienfirma Losinger schwebt eine Neuüberbauung vor. Die bisherigen Mieter, auf günstige Mieten angewiesene Start-ups und Kleinstunternehmer, fürchten um ihre Existenz. Die IG sammelte im Dorf und darüber hinaus 2770 Unterschriften und reichte diese Ende letzten Jahres als Petition ein. Gleichzeitig suchte sie selber nach alternativen Investoren und wurde auch fündig.
«Demokratisch fragwürdig»
Die vielen Sympathiebekundungen sollen sich jetzt in möglichst vielen Vereinsmitgliedern niederschlagen, hoffen die Verantwortlichen um Kunstmaler Hannes Egli. Hingegen hätten sich die beiden potenziellen Investoren, die Wohngenossenschaft (Wogeno) Aargau und die Basler Stiftung Abendrot, zurückgezogen, so Egli: «In beiden Fällen spielte die Tatsache, dass keine direkten Verhandlungen mit der Gemeinde möglich sind, eine entscheidende Rolle.» Der Vertrag zwischen Oberentfelden und Losinger verbiete dies.
Die IG bezeichnet den «Exklusivvertrag» als «demokratisch fragwürdigen Vorentscheid des Gemeinderats», den man nicht akzeptiere. Sie verlangt neben der geplanten «gewinnorientierten Neubebauung» als Alternative zugunsten der Stimmbürger eine «sanfte Arealentwicklung». «Das Stimmvolk soll eine echte Wahl haben.» Die Gemeindeversammlung wird frühstens im kommenden Winter abstimmen.
Einsprachen gegen Teilumzonung
Die IG hat um Einsicht in den Vertrag «im Sinne des Öffentlichkeitsprinzips» ersucht. Den Bescheid wolle Gemeindeammann Ruedi Berger noch diese Woche persönlich überbringen, sagt Gemeindeschreiber Max Haudenschild auf Anfrage.
Zudem haben die Mieter für Einsprachen gegen eine Teilumzonung gesorgt, die im Januar und Februar öffentlich auflag. 4400 Quadratmeter, einst Reservefläche für Schulbauten, sollen der Wohnzone W3 zugeschlagen werden.