Gestaltungsplan für Alte Bürsti

Aargauer Zeitung / MLZ 6. Mai 2010
von Thomas Röthlin

Gemeindeversammlung befindet über Kredit von 240000 Franken und eine Umzonung

Ein halbes Jahr, nachdem der Gemeinderat Oberentfelden seine Verkaufspläne für die alte Bürstenfabrik Walther bekannt gegeben hat, kündigt er jetzt eine erste Traktandierung an der Gemeindeversammlung an. Am 3.Juni entscheiden die Oberentfelder über die Ausarbeitung eines Gestaltungsplans für die Neuüberbauung und die Umzonung einer Parzelle, sodass das ganze Gelände in die Wohnzone zu liegen kommt.

Das Geschäft dürfte zu reden geben. Die inzwischen in einem Verein organisierten Zwischennutzer der Alten Bürsti – diverse Handwerker und Kulturschaffende – verlangen eine «sanfte Überbauung» als Alternative zur «gewinnorientierten Neubebauung» des sanierungsbedürftigen Areals. Eigene Gespräche der Mieter mit potenziellen Investoren in die zwischengenutzte Industriebrache scheiterten, weil der Gemeinderat die Immobilienfirma Losinger mit der Arealentwicklung und Investorensuche beauftragt hatte. Die IG Alte Bürsti hat jedoch 2770 Unterschriften gesammelt und diese Ende letzten Jahres als Petition eingereicht. Zudem hat sie gegen die im Februar bereits öffentlich aufgelegene Umzonung Einsprache erhoben.

Mit einer sanften Sanierung sei es nicht getan, hält der Gemeinderat nun in einer Pressemitteilung fest. Umfangreiche Abklärungen von Losinger zeigten, dass mit hohen Investitionen zu rechnen sei. Und steigende Mietzinse für Kulturschaffende könnten nicht einfach subventioniert werden.

Instrument für Garantie

Um die Investorensuche voranzutreiben, müsse die «Realisierung rechtlich sichergestellt» werden. Ein Gestaltungsplan, der Lage, Grösse und Abstände der Gebäude sowie die Erschliessung festlege, könne «im späteren Baubewilligungsverfahren nicht mehr angefochten werden» und sei deshalb das richtige «Instrument für eine entsprechende Garantie».

Der Gestaltungsplan koste zwar 240000 Franken, aber: «Ohne dieses Engagement ist das Areal nicht verkäuflich.» Der Gemeinderat sei «überzeugt, dass es für die Gemeinde von Vorteil ist, sich von dieser komplexen Liegenschaft zu trennen».

Der eigentliche Verkauf der Alten Bürsti an der Köllikerstrasse ist frühstens an der Wintergemeindeversammlung ein Thema. Sollten mehrere Investoren einsteigen, kann der Souverän mitreden, sobald der Kaufpreis für einzelne Liegenschaften und Parzellen mehr als 1 Mio. Franken beträgt.